Der Village Kulturlabor e.V.

Ein Kulturlabor für das Oderbruch

Schaut man sich das ländlich geprägte Oderbruch in Bezug auf das kulturelle Leben an, erkennt man bei genauerer Betrachtung die Möglichkeiten, die diese Region bietet. Seit Jahrzehnten zieht es Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland hierher. Viele von ihnen werden sesshaft und fördern gemeinsam mit den seit Generationen hier lebenden Kunstschaffenden die kulturelle Vielfalt der Region. In den kleinsten Ortschaften lassen sich Theater, Ateliers und Ausstellungsräume finden. Schauspieler, Maler und Bildhauer tragen ihr Schaffen und ihre Seele in das Oderbruch.  Dadurch fördern sie den so wichtigen Kulturtourismus in der Region.

Gleichzeitig gibt es aber besonders im Bereich der musikalischen Kulturförderung einen erheblichen Mangel. Lediglich einige wenige Musikschulen und Orchester befassen sich mit der klassischen Ausbildung am Instrument sowie mit der musikalischen Früherziehung. Eine Förderung der Pop- und Rockmusikkultur findet über den privaten Musikunterricht hinaus nicht statt.

Doch vor allem diese Musikgenres sind es, die die Menschen täglich begeistern. Pop- und Rockmusik sind Teil des kulturellen Lebens. Dem Oderbruch fehlt es in diesem Punkt aber an einer geeigneten Infrastruktur, die die Region für junge Musiker attraktiver werden lässt. Die Zahl der Möglichkeiten um zu proben oder aufzutreten ist überschaubar. An vielen Orten haben Nachwuchskünstler überhaupt keine Chance auf einer Bühne vor Publikum zu spielen. Nicht, weil es an Räumen fehlen würde. Sondern, weil die Räume nicht entsprechend genutzt werden und es an Aktueren fehlt, die sich der Organisation von Räumlichkeiten und Events annehmen. Gerade die jüngere Generation zieht es musikalisch in Städte wie Berlin und Potsdam. Dorthin, wo noch Bands und Bühnen zu finden sind. Dorthin, wo sie selbst die Chance bekommen zu proben, sich selbst zu verwirklichen und ihre Musik auf einer Bühne zu präsentieren.

Daraus ergab sich für die Initiatoren des Village Kultulabor e.V. die Notwendigkeit, das Oderbruch hinsichtlich der Pop- und Rockmusikkultur wieder attraktiver zu gestalten und den Menschen, die hier leben, eine kulturelle Vielfalt zu bieten, auch mit der Möglichkeit, sich dabei aktiv zu engagieren. Dadurch enstehen Gestaltungsräume für alle, die daran teilnehmen wollen.

Der gemeinnützige Village Kulturlabor e.V. besteht seit 2016. Die Gründungsmitlgieder kommen aus dem Oderbruch und haben hier ihre ersten Band- und Kulturerfahrungen gesammelt. Die Weiterentwicklungen und Professionalisierungen, die sie über Jahre hinweg im Oderbruch und fernab der Heimat gesammelt haben, möchten sie nun an die Region im Osten Brandenburgs zurückgeben. Hierzu wurden vier zentrale Aufgabenfelder definiert, denen der Verein nachgeht.

1. Events

Im Bereich der Events sind es vor allem Konzertveranstaltungen, die einen zentralen Aspekt des Aufgabenfeldes bilden. Das Spektrum reicht von der Organisation über die Planung bis hin zur Durchführung von Events. Grundsätzlich wird hierbei in zwei Betätigungsfelder unterschieden: einerseits vereinseigene Veranstaltungen und darüber hinaus der Support externer Veranstaltungen.

Die Realisierung von Events, bei denen der Verein Veranstalter ist, beinhaltet alle Prozesse, die für eine erfolgreiche und sicher durchgeführte Veranstaltung grundlegend sind. So umfasst dieser Bereich die Konzeptausarbeitung, Planung, Organisation, Logistikkoordination, Bereitstellung und Anforderung des Equipments, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Marketing im Vorfeld sowie die letztendliche Durchführung.

Aufgrund der beruflichen, der ehrenamtlichen und der darüber hinausgehenden Erfahrungen im Veranstaltungsbereich, verfügen die im Verein organisierten Mitglieder über die nötigen Kompetenzen, die ein professionelles Niveau der Veranstaltungen gewährleisten.

Weiterhin wird in professionelles Equipment investiert, das technisch hochqualitative Veranstaltungen erlaubt. Daraus ergibt sich die Generierung medialen Feedbacks, die Unterstützung von Bands, denen es an professionellen Auftrittsmöglichkeiten mangelt und die Vergrößerung der Kulturszene im Oderbruch insgesamt.

Gleichzeitig ziehen professionell organisierte Veranstaltungen überregionale Künstler an, wodurch sich die Kulturlandschaft des Oderbruchs weiterentwickeln kann und ein wertvoller Beitrag zur Etablierung einer attraktiven Konzertregion geleistet wird. Im Juli 2017 konnte der Village Kulturlabor e.V. unter anderem die Kultband “City”, die “Killerpilze” und die Wackenpioniere “5th Avenue” auf die Freilichtbühne der Oderbruchhauptstadt Wriezen begrüßen.

In Ergänzung zu den eigenen Veranstaltungen sollen Initiativen von anderen Künstlern unterstützt werden. Einerseits übt der Verein eine beratende Funktion aus, indem er Hinweise bezüglich Planung, Organisation sowie Durchführung gibt und somit die Funktion eines versierten Ansprechpartners für Künstler und Veranstalter der Region ausübt. Hierbei werden Erfahrungen weitergegeben. Im dadurch stattfindenden Dialog wird zudem eine Intensivierung der Kontakte und Beziehungen zu anderen Künstlern und Kulturschaffenden erreicht. Der Verein bietet außerdem praktische Unterstützung an, indem beispielsweise Equipment zur Verfügung gestellt wird.

Weiterhin ist auch ein Mix aus beiden Varianten möglich. So kann eine Kooperation mit anderen Veranstaltern bei gemeinschaftlich realisierten Events eine Bereicherung für die Kulturlandschaft des Oderbruchs ergeben. Auch auf diesem Wege findet eine tiefergehende Vernetzung von Künstlern und Veranstaltern statt, die im Sinne des Vereins einen konstruktiven Schritt darstellt.

Eigenverantwortlich organisierte Veranstaltungen geben Künstlern die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Die Künstler erhalten so ein direktes Feedback von den Konzertbesuchern und sammeln wertvolle Auftrittserfahrung. Ihnen wird dadurch ein wichtiges Entwicklungspotenzial ermöglicht. Darüber hinaus werden nationale und internationale Künstler in die Region gelockt, wodurch sich die kulturelle Vielfalt des Oderbruchs vergrößert.

 

2. Proberäume

Grundlage der Förderung regionaler Künstler und der Unterstützung junger Bands bildet die Bereitstellung einer angemessenen Infrastruktur. Dazu gehören vorrangig angemessene Probemöglichkeiten. Eines der zentralen Unterziele des Vereins ist es daher, Proberäume bereitzustellen, die über eine geeignete Ausstattung für Bands verfügen. Gerade für junge Künstler ist es oft schwer, das technische Equipment für einen Proberaum aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Darüber hinaus stellt sich die Situation für Bands im Allgemeinen in diesem Zusammenhang beschränkt dar. Räumlichkeiten, die für Bandproben genutzt werden könnten, sind so gut wie nicht vorhanden. So finden Proben oft im Privaten mit unzureichender technischer Ausstattung statt. Dieser Umstand schränkt die kreative Arbeit von Bands ein und verhindert gleichzeitig die Bildung eines engen Netzwerks von Musikern in der Region.

Ein entscheidendes Kriterium für den Mangel an Proberäumen in Oderbruch stellen hauptsächlich die Schallemissionen während der Proben dar. Sowohl in den Städten als auch auf den Dörfern ist darauf zu achten, dass Anwohner nicht durch Proben gestört werden. Immobilien, die so gelegen sind, dass keine Lärmbelästigung für die Anwohner auftritt, sind bezüglich ihres infrastrukturellen Zustands selten akzeptabel. So fehlt es in vielen Fällen an grundlegenden Ausstattungen, wie einer funktionierenden Heizung oder Sanitäranlagen. Zudem ist in anderen Fällen die Sicherheit in den Gebäuden nicht ge-währleistet. Sei es aufgrund der Bausubstanz oder aber aufgrund der veralteten elektrischen Versorgung. Oft lassen sich all diese Punkte in nur einer Immobilie feststellen. Gebäude, die diese Kriterien dementgegen vollständig erfüllen, sind durch ihre zentralere Lage ungeeignet, eine Lärmbelästigung für Unbeteiligte ausschließen zu können. Um diesen Widerspruch aufzulösen, plant der Verein die Errichtung eines Proberaumkomplexes in der Oderbruchregion, der die zuvor genannten Kriterien erfüllt.

Die Nutzung der Räume soll grundsätzlich auf zwei Arten erfolgen. Zum einen werden etablierte Bands die Möglichkeit haben, einen Raum unbefristet zu nutzen, um sich eine eigene, solide Basis für ihre Arbeit schaffen zu können. Weiterhin wird es Einzelkünstlern und freien Künstlern, die sich zum Beispiel projektbezogen zusammenfinden, möglich sein, Räume temporär zu nutzen.

Zusätzlich ist ein offener, für die Allgemeinheit gedachter Aufenthaltsraum geplant. Er bildet die Basis für die Etablierung eines lokalen Netzwerks (Socializing). Der Raum wird zu einem Bereich des Gesprächs und der Interaktion. Hier können die Probepausen verbracht und dabei Kontakte aufgebaut und gepflegt werden.

Die Vorteile, die sich durch die Errichtung des Proberaumkomplexes ergeben, sind vielseitig. Das wichtigste Argument ist dabei, dass die Räume konsequent und und uneingeschränkt für Proben und das kreative Arbeiten genutzt werden können. Aufgrund der idealen Rahmenbedingungen können sich die Musiker voll und ganz auf ihre musikalische Arbeit konzentrieren. Sie finden im Proberaumkomplex einen beständigen Ort, an dem sie ihre Kreativität frei entfalten und ihre Fähigkeiten schneller verbessern können. Diese positiven Effekte können somit dazu beitragen, dass die Künstler eine höhere musikalische Qualität erreichen. Gleichzeitig wird einer der grundlegendsten Werte des Vereins transportiert: die freie kreative Entfaltung. Denn nur aus Kreativität kann etwas Neues entstehen, können Innovationen geschaffen werden und den Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung bilden.

Ausgehend davon wird eine reichhaltige Künstlerlandschaft gefördert, die im Ergebnis zu einer höheren Qualität und Quantität von Konzerten führt. Daraus ergibt sich eine größere Medienresonanz, durch die sowohl die Künstler als auch die Region insgesamt profitieren. Das Oderbruch kann auf diesem Wege Anziehungspunkt für andere interessierte Künstler werden, wodurch eine Vergrößerung der Kulturszene begünstigt wird.

3. Förderung von Bands und Künstlern

Die Basis jeden kulturellen Lebens ist die Initiative der Mitwirkenden. Diese gilt es zu fördern und zu unterstützen. Die zuvor angeführten Mittel zur Förderung der Pop- und Rockmusikkultur in der Oderbruchregion tragen zur Erfüllung dieses Anspruchs bereits bei.

Darüber hinaus sind themenrelevante Förderungsinhalte und Kurse geplant. Das Spektrum soll dabei sowohl den künstlerisch-kreativen als auch den technisch-handwerklichen Bereich umfassen. Der künstlerisch-kreative Aspekt bezieht sich auf Themenkomplexe wie Songwriting, Komposition und Arrangement. In Workshops, in denen erfahrene Musiker ihr Wissen weitergeben, sollen vor allem jungen Musikern neue Wege eröffnet werden. Die Intention der Workshops ist die Unterstützung des kreativen Fortschritts der Musiker, um eine nachhaltige Weiterentwicklung zu forcieren, im Zuge derer die Künstler auf Basis des vermittelten Wissens einen größeren Entfaltungsspielraum erhalten.

Auch in technisch-handwerklicher Hinsicht sind Workshops geplant, in denen den Musikern der Umgang mit ihrem Equipment und ihrem Instrument nähergebracht wird. Weiterhin sollen grundlegende Themen des Bandlebens und deren Performances auf und neben der Bühne diskutiert werden. Das Verhalten während eines Soundchecks wird in diesem Zusammenhang ebenso thematisiert wie die Vorbereitung auf ein Konzert oder eine Interviewsituation. Zudem werden Tipps und Tricks zum Umgang mit Fans ebenso wie mit Veranstaltern sowie Ton- und Lichttechnikern gegeben.

Auch hierbei steht die Nachhaltigkeit der Förderung im Fokus. Den Künstlern werden konstruktive Hinweise an die Hand gegeben, mithilfe derer sie ihre Ergebnisse und Leistungen optimieren und darauf basierend ihre jeweiligen Ziele schneller und effektiver erreichen können. Die Bands entwickeln dadurch ein professionelleres Auftreten und tragen so zu einer positiven Außenwirkung des Vereins und der Region bei.

4. Kulturszene und Networking

Die zuvor angeführten Punkte schaffen die Grundlage für ein ausgeprägtes Netzwerk von Künstlern in der Region. Die Bereitstellung von Probemöglichkeiten, die Durchführung vielfältiger Veranstaltungen und die Organisation von Workshops sind konkrete Maßnahmen, die der Vergrößerung der lokalen Kulturszene dienen. Dabei fokussieren sich die Maßnahmen auf die Entwicklung innerhalb der Region, wodurch das Oderbruch direkt wie auch indirekt überregional eine größere Bedeutung für Künstler erlangen kann.

Um diesen Sekundäreffekt aktiv zu bedienen, soll durch den Verein eine Einbindung in überregionale und landesweite Netzwerke erfolgen. Initiativen wie “Popup Brandenburg” bieten explizite Anknüpfungspunkte für die Pop- und Rockmusikkultur des Oderbruchs. Die Vernetzung mit Veranstaltern, Institutionen und Musikern auf landes- sowie bundesweiter Ebene führt zu einer Stärkung des Vereins selbst. Zudem entsteht ein Austausch zwischen Musikern des ganzen Landes. Auftritte für regionale Bands über die Grenzen des Landkreises hinaus werden ebenso gefördert wie die Attraktivität des Oderbruchs als Kulturlandschaft. So entsteht durch den stetigen Kontakt sowohl ein Think Tank aus Kulturschaffenden und Veranstaltern als auch ein vielseitiger Künstlerpool. Regionale Veranstaltungen innerhalb des Oderbruchs können dadurch direkt profitieren.

Durch eine ausgeprägte Vernetzung des Vereins können darüber hinaus Experten und Künstler für die geplanten Workshops gewonnen werden. Auf diese Weise wird ein professionelles Umfeld für regionale Bands geschaffen und die Kulturszene des Oderbruchs qualitativ verbessert. Gleichzeitig wird das kulturelle Angebot der Region begünstigt. Die Etablierung neuer Veranstaltungskonzepte und die Zunahme an qualitativ hochwertigen Events bieten den Menschen des Oderbruchs eine Auswahl an neuen Freizeitangeboten, die für sie bisher in unmittelbarer Nähe nicht vorhanden waren. Das Leben im Oderbruch wird durch die Förderung der Kulturszene bunter gestaltet und dadurch attraktiver.